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Intro:

Bei der Beschäftigung mit PIM-Systemen und deren Implementierung stellt sich die Frage, ob spezielle Systeme und Implementierungspartner für B2B oder B2C erforderlich sind oder ob dies keine Rolle spielt. Im Folgenden erläutern wir die größten Unterschiede zwischen PIM für B2B und PIM für B2C.
Die Aussagen treffen selbstverständlicherweise nicht für jede Brache und Unternehmen in gleicher Weise zu.

Im Detail

Datenkomplexität

B2B: In B2B-Umgebungen sind die Anforderungen an Produktinformationen deutlich komplexer. Dies liegt an den internen sowie externen Anforderungen, die häufig detaillierte technische Spezifikationen und Eigenschaften erfordern. Angebote und Produktvergleiche müssen auf individuelle und oft sehr spezifische Kundenanforderungen reagieren. Dadurch entsteht ein hoher Bedarf an präzisen technischen Daten, um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden.

B2C: Im B2C-Bereich stehen technische Aspekte weniger im Vordergrund. Produktbeschreibungen sind in der Regel kürzer und weniger detailliert. Der Fokus liegt mehr auf allgemeinen Merkmalen und ansprechenden Marketinginformationen, die für den Endverbraucher leicht verständlich sind. Die Komplexität der Daten ist geringer, da die Produkte in der Regel standardisiert und für ein breites Publikum bestimmt sind.

Katalogstruktur

B2B: Aufgrund der höheren Produktkomplexität sind B2B-Kataloge umfangreicher und detaillierter. Sie enthalten häufig eine Vielzahl an Cross-Sell-Optionen, Produktvarianten und Konfigurationsinformationen. Diese Kataloge sind darauf ausgelegt, den spezifischen Anforderungen der Geschäftskunden gerecht zu werden, indem sie detaillierte technische Daten und umfangreiche Vergleichsmöglichkeiten bieten.

B2C: Im B2C-Bereich liegt der Fokus auf dem einzelnen Produkt und seinen Eigenschaften. Komplexe Produktvergleiche und Gegenüberstellungen, wie zum Beispiel Matrix-Tabellen für verschiedene Schraubenarten, sind weniger relevant. Cross-Sell-Produkte werden mehr aus einer Marketingperspektive als aus einer technischen Sicht präsentiert, um den Verbrauchern zusätzliche Kaufanreize zu bieten.

Preisgestaltung

B2B: In B2B-Umgebungen ist die Preisgestaltung oft kundenspezifisch und kann stark variieren. Es gibt individuelle Preise für verschiedene Kunden oder Kundengruppen sowie häufige Staffelpreise (Mengenrabatte). Diese flexible Preisgestaltung ist notwendig, um den unterschiedlichen Anforderungen und Bestellvolumina der Geschäftskunden gerecht zu werden.

B2C: Die Preise im B2C-Bereich sind tendenziell einheitlicher und weniger individuell. Dennoch kann auch hier eine gewisse Komplexität in der Preisgestaltung auftreten, etwa durch die Angabe von UVP (Unverbindliche Preisempfehlung), Verkaufspreisen, Nettopreisen und Streichpreisen. Zusätzlich gibt es gelegentlich temporäre Preisaktionen, die für den Endverbraucher attraktiv gestaltet sind.

Kundenspezifische Daten

B2B: In B2B-Szenarien gibt es oft kundenspezifische Produkte oder Spezifikationen. Dasselbe Produkt kann unterschiedliche Eigenschaften je nach Kundengruppe oder Branche aufweisen. Es ist auch häufig erforderlich, lokale oder branchenspezifische Regularien zu berücksichtigen, um den spezifischen Anforderungen der Geschäftskunden gerecht zu werden.

B2C: Im B2C-Bereich werden Produkte in der Regel nicht an individuelle Kundenbedürfnisse angepasst. Der Kunde bleibt weitgehend anonym, und es wird nicht auf spezifische Kunden- oder Kundengruppenbedürfnisse eingegangen. Dies ändert sich jedoch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die personalisierte Texte und Bilder erstellt. Allerdings erfolgt die Individualisierung bislang hauptsächlich in der Präsentation, während technische Eigenschaften und Produktspezifikationen noch nicht individuell angepasst werden.

Vertriebskanäle

B2B: Die Vertriebskanäle im B2B-Bereich umfassen häufig andere ERP-Systeme (der Kunden) sowie spezialisierte Online-Plattformen von Branchen oder Einkaufsgenossenschaften. Der direkte Vertrieb hat zudem sehr konkrete und technisch komplexe Anforderungen hinsichtlich der Ausgabe und Darstellung von Daten, um den spezifischen Bedürfnissen der Geschäftskunden gerecht zu werden.

B2C: Im B2C-Bereich sind die primären Vertriebskanäle der eigene Webshop und Marktplätze. Während auch soziale Medien eine Rolle spielen, sind sie aus Sicht des PIM weniger relevant, da die Datenanforderungen hier vergleichsweise unkomplex sind. Der Fokus liegt auf einer ansprechenden Präsentation und leichten Zugänglichkeit der Produkte für den Endverbraucher.

Produktattribute

B2B: Aufgrund der höheren technischen Anforderungen weisen Produkte im B2B-Bereich im PIM-System deutlich mehr Attribute auf. Dazu gehören verschiedene Varianten von Attributen, wie unterschiedliche Maßeinheiten oder Einheitensysteme, sowie spezifische Attribute zur Einhaltung von Compliance-Vorschriften. Diese detaillierten Informationen sind notwendig, um den vielfältigen und spezifischen Anforderungen der Geschäftskunden gerecht zu werden.

B2C: Während im B2C-Bereich ebenfalls beschreibende Attribute vorhanden sind, ist die Anzahl der technischen Attribute im Vergleich zu B2B geringer. Dies variiert jedoch stark je nach Branche und Produktkategorie. Der Fokus liegt mehr auf allgemeinen Merkmalen und benutzerfreundlichen Informationen, die für den Endverbraucher leicht verständlich sind.

Workflow und Genehmigungen

B2B: Aufgrund der komplexeren Produkte, die oft in großen Stückzahlen verkauft werden und längere, tiefere Geschäftsbeziehungen erfordern, sind die Genehmigungsprozesse und Workflows im B2B-Bereich komplexer. Dies führt zu strengeren Datenqualitätsregeln, mehr Quality-Gates und der Beteiligung mehrerer Abteilungen an der Produktpflege. Diese umfangreichen Prozesse stellen sicher, dass die Produktinformationen den hohen Anforderungen und Spezifikationen der Geschäftskunden entsprechen.

B2C: Im Vergleich dazu sind die Genehmigungsprozesse und Workflows im B2C-Bereich einfacher gestaltet. Allerdings variiert dies innerhalb der Branche: Bei technisch komplexen oder medizinischen Produkten sind auch im B2C die Freigabeprozesse komplexer, ähnlich wie in B2B. In weniger technisch anspruchsvollen Branchen, wie beispielsweise Fashion, sind die Genehmigungsprozesse in B2C jedoch deutlich einfacher als in B2B.

Internationalisierung

B2B: Häufiger Bedarf an mehrsprachigen und regionenspezifischen Daten für globale Kunden.

B2C: Internationalisierung kann auch wichtig sein, aber oft weniger komplex als im B2B-Bereich.

Verkaufsprozess

B2B: Längere Verkaufszyklen, die intensive Informationsbereitstellung und personalisierte Kommunikation erfordern.

B2C: Kürzere Verkaufszyklen mit Fokus auf schnelle Transaktionen und Impulskäufe.

Kundendienst und Support

B2B: Umfassender Kundendienst und technische Unterstützung, oft durch spezialisierte Teams.

B2C: Allgemeiner Kundendienst mit Fokus auf schnelle Problemlösung und FAQs.

Zusammenfassung:

PIM-Systeme unterscheiden sich erheblich zwischen B2B und B2C. Im B2B-Bereich sind die Produktdaten komplexer, erfordern technische Spezifikationen und individuelle Preisgestaltung. Kataloge sind detaillierter, und der Vertrieb erfolgt oft über ERP-Systeme und direkte Kanäle. Workflows und Genehmigungen sind komplexer, und die Internationalisierung spielt eine größere Rolle. Im B2C-Bereich sind die Produktinformationen standardisierter, die Preisgestaltung einheitlich und die Vertriebskanäle stärker auf E-Commerce und soziale Medien ausgerichtet. Marketingattribute, schnelle Verkaufszyklen und allgemeiner Kundendienst stehen im Vordergrund. Diese Unterschiede erfordern eine spezifische Anpassung der PIM-Systeme, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden.

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